Französisch für Touristen: Warum ein bloßes Merci keinen Wein mehr bringt
Stell dir ein Abendessen in Frankreich vor. Dein Gastgeber hebt die Flasche, um dir nachzuschenken, du lächelst und sagst „merci“, und die Flasche geht wieder runter. Dein Glas bleibt leer. Niemand war unhöflich: Für sich allein, in diesem Moment, heißt „merci“ „nein, danke“, und du hast gerade den Wein abgelehnt, den du wolltest. Die Falle funktioniert im Deutschen genauso, ein knappes „danke“ auf ein Angebot ist auch bei uns ein Nein, nur denkt in der fremden Sprache kaum jemand daran.
Die Sätze unten gehören zum kostenlosen Französisch-Reise-Kit, fünfzig Sätze in fünf Tagen mit Aussprache, und jeder entschärft einen Fehler wie diesen.
„Merci“ kann nein heißen
Merci (mär-SSI) heißt danke, und meistens funktioniert es so, wie du erwartest. Die Falle ist der Moment, in dem dir jemand mehr anbietet: Wein, Brot, einen Nachschlag. Ein bloßes „merci“ heißt dort „nein, danke“, und das Angebot ist vom Tisch. Wer annehmen will, sagt „oui, merci“ oder „volontiers“. „Merci beaucoup“ ist vielen Dank.
Die Antwort, die du in Läden und Restaurants hörst, ist „je vous en prie“ oder das lockere „de rien“, nichts zu danken. Im Südwesten hörst du vielleicht „avec plaisir“.
„Un café“ ist ein Espresso
Bestell un café, s'il vous plaît (öng ka-FE, ssil wu PLÄ), und ein kleiner Espresso kommt. Genau das bedeutet das Wort. Wenn du Milch wolltest, bestell „un café crème“ oder kurz „un crème“: Espresso mit aufgeschäumter Milch, das, was einem Milchkaffee am nächsten kommt. „Un café au lait“ wird verstanden, ist aber eigentlich die Frühstücksschale, die man zu Hause trinkt.
„Un allongé“ ist ein verlängerter Espresso, „un noisette“ ein Espresso mit einem Schuss Milch, „un déca“ ein entkoffeinierter. Und derselbe Kaffee kostet am Tisch („en salle“) oder auf der Terrasse mehr als im Stehen an der Theke, der Unterschied auf der Rechnung ist also kein Fehler.
Die Rechnung kommt erst, wenn du fragst
Am Tisch in Ruhe gelassen zu werden ist in Frankreich Höflichkeit, keine Vergesslichkeit, und die Rechnung erscheint nicht von allein. Such den Blickkontakt und sag l'addition, s'il vous plaît (la-di-SSJONG, ssil wu PLÄ), oder deute ein Unterschreiben in der Luft an. Das Kartenterminal kommt an den Tisch. Im Café kannst du auch fragen „je vous dois combien ?“, was schulde ich Ihnen, und direkt beim Kellner zahlen. Ein Wort, das du vermeiden solltest: „la note“ ist die Hotelrechnung.
„Service compris“ ist keine Einladung zum Trinkgeld
Auf den meisten französischen Karten und Rechnungen steht die Zeile „prix nets, service compris“ (ssär-WISS kong-PRI). Per Gesetz enthält der Preis, den du siehst, bereits die Bedienung, traditionell mit 15 % gerechnet, und ein Gedeck gibt es nicht. Ein Trinkgeld, „pourboire“, ist freiwillig: Aufrunden oder ein, zwei Euro in Münzen für guten Service sind völlig ausreichend, und die Trinkgeldabfrage am Kartenterminal zu überspringen ist normal. Das deutsche Verfahren, beim Zahlen laut die Summe zu nennen, gibt es hier nicht: Du zahlst, was auf der Rechnung steht, und lässt die Münzen liegen. Steht „couvert“ auf einer Karte, meint das ein Gedeck, keine Gebühr.
Der Bon, um den du bitten musst
Seit 2023 drucken französische Läden den Kassenbon nicht mehr automatisch, genau umgekehrt zur deutschen Belegpflicht. Die Kassiererin fragt „vous voulez le ticket ?“, und ein „non“ heißt, dass du ohne Beleg gehst. Falls du den Artikel umtauschen könntest oder ihn für die Abrechnung brauchst, sag „oui“, oder bitte direkt: le ticket de caisse, s'il vous plaît (lö ti-KÄ dö KÄSS, ssil wu PLÄ).
Wer außerhalb der EU wohnt, etwa in der Schweiz, hat einen zweiten Grund, sich dafür zu interessieren: Die Mehrwertsteuer lässt sich zurückholen, „la détaxe“, bei Einkäufen über 100 Euro in einem Laden an einem Tag. Frag nach dem „bordereau de détaxe“ und zeig deinen Pass.
„Excusez-moi“ holt Aufmerksamkeit, „pardon“ bringt dich durch
Zwei Wörter, die man im Deutschen gern in einen Topf wirft, weil bei uns „Entschuldigung“ beides erledigt. Excusez-moi (äks-kü-se-MUA) ist dafür da, den Blick des Kellners einzufangen, eine fremde Person nach dem Weg zu fragen oder sich für einen kleinen Rempler zu entschuldigen. Es ist die förmliche „vous“-Form, richtig gegenüber allen, die du nicht kennst. Wenn du ein Gespräch beginnst, stell „bonjour“ davor: „bonjour, excusez-moi“.
Pardon (par-DONG) ist das Wort, mit dem du dich durch die Métro zur Hauptverkehrszeit, durch eine Menge oder über den Markt schiebst. Sag es im Gehen, und die Leute treten zur Seite. Es deckt auch die leichte Entschuldigung nach einem Rempler ab und heißt mit steigender Betonung „wie bitte?“. Behalte das nasale Ende: Das altmodische deutsche „Pardon“ mit hartem „n“ klingt hier seltsam. Für eine echte Entschuldigung heißt der Satz „je suis désolé“ („désolée“, wenn du eine Frau bist).
Entwerte dein Ticket, jedes Mal
Die Strafe, die Touristen erwischt, gibt es in Bussen und Trams. Validez votre billet (wa-li-DE wotr bi-JÄ): Halte oder steck dein Ticket oder deine Zeitkarte bei jedem Einsteigen in das Gerät, auch beim Umsteigen, sonst kassiert der Kontrolleur an Ort und Stelle, je nach Stadt etwa 35 bis 60 Euro, und mehr, wenn du nicht sofort zahlst.
Züge sind anders: Die alten gelben „composteurs“ zum Abstempeln verschwinden, seit die Tickets digital sind. E-Tickets brauchen nie eine Entwertung, aber auf einem am Bahnhofsautomaten gekauften TER-Papierticket kann noch „à composter“ stehen, wo es einen Entwerter gibt, also halte dich an das Schild. „Titre de transport“ ist das Amtswort für jedes Ticket und jede Zeitkarte.
Die anderen zweiundvierzig
Diese acht verteilen sich über die Tage eins bis vier des Französisch-Reise-Kits: zehn Sätze am Tag, fünf Tage lang, jeder mit einer Lautschrift, die du laut lesen kannst, einem Tipp wie oben und Audio. Tag eins läuft im Browser ohne Konto, und der ganze Bogen passt beim Ausdrucken auf drei Seiten.