Warum „Merci“ auf Schweizerdeutsch nein heißt, und sechs weitere Fallen für Touristen in der Schweiz
Stell dir eine Terrasse am Zürichsee vor. Der Kellner hält dir einen Teller hin, du lächelst und sagst „Merci“, und der Teller wandert direkt zurück aufs Tablett. Niemand war unhöflich. Auf Schweizerdeutsch heißt ein bloßes „Merci“ auf ein Angebot nein danke, und die Wörter, die du wolltest, waren „Ja, gärn“. Die Schweiz ist voll von solchen kleinen Fallen, und wer aus Deutschland kommt, tappt in jede einzelne, gerade weil alles so vertraut aussieht: Rahm, den du nicht bestellt hast, eine Rechnung, die nie kommt, ein Tramticket, das viel mehr kostet als die Fahrt.
Die acht Sätze unten gehören zum kostenlosen Schweizerdeutsch-Reise-Kit, fünfzig Sätze in fünf Tagen mit Aussprache.
„Merci“ kann nein heißen
„Merci“ (MÄR-si) sagt hier jeder für danke. Es ist aus dem Französischen entlehnt, aber die Betonung wandert auf die erste Silbe, MÄR-si, nicht das französische mär-SSI. „Danke“ versteht jeder, verrät dich aber sofort als Deutschen. „Merci vilmal“ ist vielen Dank, und die Antwort, die du hörst, ist „Bitte“ oder „Gärn gscheh“, gern geschehen.
Die Falle ist das Angebot. Wenn dir jemand etwas hinhält und du mit einem bloßen „Merci“ antwortest, gilt das als höfliches Nein. Wer annehmen will, sagt „Ja, gärn“. Wer absichtlich ablehnt, setzt mit „Nei, merci“ den höflichen Schlusspunkt.
„En Kafi“ ist ein „Kafi crème“
Bestell „En Kafi, bitte“ (en KA-fi, BIT-te), und du bekommst einen Kafi crème: eine normal große Tasse schwarzen Kaffee mit einem Kännchen Rahm auf der Untertasse. Es ist kein Filterkaffee und kein Espresso. Wenn du die kleine starke Tasse willst, sag „en Espresso“. Ein Milchkaffee heißt in Zürich „e Schale“, halb Milch, vom Wort für die Schale, und „Cappuccino“ versteht man überall. Rechne mit etwa CHF 5 pro Tasse, an der Seeterrasse mehr.
„Exgüsi“ bringt einen Blick, eine Frage bringt dich durch
„Exgüsi“ (eks-GÜ-si) ist ein Wort für drei Aufgaben: den Blick des Kellners einfangen, eine fremde Person nach dem Weg fragen und sich für einen kleinen Rempler entschuldigen. „Entschuldigung“ funktioniert auch, klingt aber schwer und norddeutsch, und jüngere Schweizer sagen ständig einfach „Sorry“.
Was „Exgüsi“ nicht kann: Leute bewegen. Ein eigenes Wort fürs Durchkommen hat das Schweizerdeutsche nicht, im vollen Tram, in der Schlange oder auf dem Markt fragst du also „Chan ich verbii?“ (chan ich fer-BII, das ch wie in „Bach“), kann ich vorbei. Im Bus oder Tram tut „Ich mues use“, ich muss raus, denselben Dienst. Sag es in normaler Lautstärke; Trams sind leise Orte.
Die Rechnung kommt erst, wenn du fragst
Schweizer Kellner schweben nicht um den Tisch, und die Rechnung kommt nicht von allein. Wenn du so weit bist, such den Blickkontakt und sag „Zahle, bitte“ (ZAA-le, BIT-te) oder „D Rächnig, bitte“. Gezahlt wird am Tisch, meist am tragbaren Kartenterminal, und du wirst gefragt „Zäme oder getrennt?“, zusammen oder getrennt, denn pro Person zu zahlen ist hier völlig normal.
Es gibt keine Servicezeile, Trinkgeld gibst du also, indem du die Summe nennst
Achte auf „Service inbegriffen“ (SÖR-wis in-be-GRIF-fe) auf der Karte: Bedienung und Mehrwertsteuer stecken in der Schweiz immer im Preis, es gibt also kein Gedeck und keine Servicezeile auf der Rechnung. Trinkgeld ist ein kleines Aufrunden für guten Service, höchstens 5 bis 10 %, und die hiesige Art, es zu geben, ist genau deine: Du nennst die Summe, die du zahlen willst. „Mached Sie füfzg“ ist machen Sie fünfzig; „Stimmt so“ ist stimmt so. Sag es beim Übergeben des Bargelds oder bevor der Kellner den Betrag ins Kartenterminal tippt. Immer mehr Terminals zeigen eine „Trinkgeld?“-Abfrage, und Überspringen ist völlig in Ordnung.
Die Quittung kann Geld wert sein
Kassiererinnen fragen oft „Wänd Sie d Quittig?“, und mitnehmen musst du sie nicht. Sag „D Quittig, bitte“ (d KWIT-tig, BIT-te) oder einfach „Ja, bitte“ für alles, was du umtauschen oder abrechnen könntest. Die Falle, die Geld wert ist: Wer nicht in der Schweiz wohnt, kann sich bei Einkäufen ab CHF 300 in einem Geschäft an einem Tag die 8,1 % Mehrwertsteuer zurückholen. Verlang zusammen mit der Quittung den Ausfuhrschein und lass ihn beim Verlassen des Landes am Zoll abstempeln.
Niemand stempelt ein Ticket, und niemand verkauft eines im Fahrzeug
Auf dem Schild steht „Bitte Billett vor der Fahrt lösen“ (BIT-te bi-LÄTT for der fahrt LÖ-se), bitte die Fahrkarte vor der Fahrt kaufen, und das ist wörtlich gemeint. Einzeltickets werden in der Schweiz nie abgestempelt: Ein Ticket vom Automaten oder aus der App gilt ab dem Kauf, nur die Mehrfahrtenkarten aus Papier werden am Kasten des Automaten entwertet. In Zügen und Trams wird nichts verkauft, du musst also ein Ticket haben, bevor die Türen schließen. Kontrolleure in Zivil sind häufig, und Fahren ohne Ticket kostet beim ersten Mal CHF 90 Zuschlag, beim zweiten CHF 130 und ab dem dritten CHF 160, plus Fahrpreis obendrauf, und dein Name steht zwei Jahre in einem landesweiten Register. App-Tickets und EasyRide zählen, aber check vor dem Einsteigen ein. Ein Swiss Travel Pass deckt fast alles ab.
Die anderen zweiundvierzig
Diese acht stammen aus den Tagen eins bis vier des Schweizerdeutsch-Reise-Kits: zehn Sätze am Tag, fünf Tage lang, jeder mit lesbarer Lautschrift, einem Tipp wie oben und einem Abspielknopf. Ein ehrlicher Hinweis: Für Schweizerdeutsch gibt es keine Browserstimme, das Audio ist also der schwächste Teil dieses Reise-Kits, und die eigentliche Arbeit machen die Lautschriften. Tag eins läuft im Browser ohne Konto, und der Bogen passt beim Ausdrucken auf drei Seiten für den Flug. Die vollständige Liste der Alltagssätze jenseits der Fallen findest du in Die wichtigsten schweizerdeutschen Sätze mit Aussprache (auf Englisch).